Geschichtliches

Am Ende des Krieges, 1945, fanden die Bewohner Reggios in den Trümmern einen Panzer, dessen Teile sie auf dem Schwarzmarkt verkauften. Bei der Frage, wie das Geld zu verwenden sei, setzten sich die Frauen des Ortes durch: Sie bestanden darauf, eine Tageseinrichtung für Kinder zu schaffen. Dabei ging es ihnen nicht nur darum, die Kinder versorgt zu wissen, schließlich gab es konventionelle Kindergärten in ausreichender Zahl. Angesichts des gerade überwundenen Faschismus war es ihnen wichtig, Kinder anders zu erziehen als bisher.

Aus den Trümmern und den Hinterlassenschaften des Krieges entstand eine Art Elterninitiative. Im Mittelpunkt steht bis heute die Frage: „Wohin wollen wir unsere Kinder erziehen? Wie werden sie zu selbstbewussten Demokraten, die sich der Gemeinschaft verpflichtet fühlen?“

Ein Grundschullehrer hörte von dem Projekt, radelte hinzu und blieb – Loris Malaguzzi, später bekannt als Gründerfigur der Reggio-Pädagogik, prägte die folgenden Jahrzehnte in entscheidender Weise. Dabei blieb er im ständigen Dialog mit allen am Erziehungsprozess Beteiligten und forderte das Gemeinwesen dazu auf, die Verantwortung für die nachwachsende Generation zu übernehmen.

Die politische Tradition setzte sich in den sechziger Jahren fort, denn als der Staat die Zahl der Tagesstätten kürzen wollte, besetzten engagierte Mütter und Väter kurzerhand die Häuser, um ihren Kindern weiterhin die Betreuung zukommen zu lassen, die sie über Jahre gemeinsam mit den Erzieherinnen und den Verantwortlichen der Stadt entwickelt und erstritten hatten. Erst 1968 wurden die kommunalen Kindertagesstätten von Reggio legalisiert. Die Kommune von Reggio legt großen Wert auf ihre Bildungseinrichtungen, zu denen die Kindergärten gezählt werden. Hierfür sind immerhin 40% des Etats der Stadt veranschlagt. Eine Besonderheit dieser Region sei erwähnt, sie ist nicht umsonst die Heimat von Don Camillo und Peppone, vereint man doch hier drei außergewöhnliche Eigenschaften: Man ist gleichermaßen kommunistisch, katholisch und wohlhabend.

Es wurden keine Kosten gescheut. Die Gebäude der Kindertagesstätten sind in Zusammenarbeit mit Eltern, Erzieherinnen und Kommune errichtet worden – lichtdurchflutete Häuser mit großen Glasfronten, deren Mittelpunkt eine „Piazza“ bildet, eine Art Marktplatz im Haus, auf dem sich sprichwörtlich Jung und Alt trifft.



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